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LESERBRIEFE
Hallo Lustqual,
das finde ich klasse, dass mal jemand dieses Thema anspricht!
Gerne möchte ich mit meinen Erfahrungen dazu beitragen.
Ich habe eine Myasthenie gepaart mit einer Myositis. Klingt vielleicht ein wenig kompliziert, also auf gut deutsch: Meine Muskeln ermüden wesentlich schneller als bei Gesunden und dann entzünden sie sich anstellen des sonst üblichen Muskelkaters.
Im "normalen" Leben klappt es einigermassen damit umzugehen, wenn ich auf die ersten Anzeichen von Ermüdung oder die ersten Schmerzen achte. Aber wie wir alle wissen, gefesselt, ausgeliefert und wundervoll gequält wird Schmerz zu Lust und fällt daher als Warnung aus. Ebenso ist man kaum in der Lage auf Ermüdungen zu achten, wenn die Welt nur noch aus den Reizen besteht, die der Körper empfängt, man sich dem vollkommen hingibt. Es ist also nicht so einfach dafür eine vernünftige Lösung zu finden.
Wie sicherlich schon klar geworden ist, bin ich Sub. Das vereinfacht die Sache in sofern, als dass der Sub zumeist weniger aktiv sein muß. Trotzdem ging es oft schief, so dass wir eine lange Pause eingelegt haben, aber dann doch nicht mehr auf unsere Spiele verzichten wollten. Unsere Lösung ist, vorher genau fest zu legen, was zumutbar ist. Da keiner die Zeit beachten kann und will, müssen Wecker her. Es müssen, (leider) kurze Sessions sein und in möglichst wenig anstrengenden Positionen. Das ist auf den ersten Blick eine ziemliche Einschränkung, aber es gibt bei genauerer Überlegung doch erstaunlich viele Möglichkeiten.
Alles was im Liegen geht, ist natürlich ideal, aber auch Stühle oder Hängevorrichtungen sind im Bereich des Möglichen. Ebenso Böcke. Trotzdem ist es Schade, keine langen Sessions machen zu können. Aber viele kleine sind durchaus ein Ersatz. Dennoch geht das nur mit einem ganz besonders verständnisvollen Partner, der sich auch nicht durch betteln nach mehr davon abhalten lässt, die Session rechtzeitig zu beenden.
Ich denke, mit Behinderungen muß besonders deutlich vorher alles abgesprochen werden und es ist vielleicht auch besonders viel Phantasie von nöten, aber es lohnt sich auf jeden Fall. Ich für mich bin während einer Session nicht mehr behindert sondern nur noch Sklavin. Was leider nichts daran ändert, dass die Verantwortung nur an den Dom weiter gegeben wird....
Hallo Lustqual
Ich finde es gut, dass Du Dich auf Deiner Website auch mit dem Thema BDSM und Behinderung auseinandersetzt. Ich bin der Meinung, dass es gut ist, wirklich alle nur erdenklichen Aspekte, die mit BDSM zu tun haben, anzugehen und zu behandeln.
Wie schon einmal kurz beschrieben, gehöre ich zur Gattung der Rheumatiker. Als Kind überfiel mich eine schwere Rheumatoide Arthritis, die viele Jahre andauerte, doch irgendwann überwunden war. Als Überbleibsel dieser Krankheit blieben Verkrümmungen an diversen Gelenken sowie eine Versteifung aller Gelenke. Meine Gelenke sind noch beweglich, jedoch teilweise extrem eingeschränkt. Trotzdem kann ich das meiste im Alltag bewältigen. Ich lebe alleine in einer Wohnung und befinde mich nicht im Rollstuhl.
Sexuell gesehen bin ich ein sehr aktiver Mensch, bin es immer gewesen. Meine sexuelle Befriedigung bescherte ich mir stets selbst, da ich nie eine Partnerin hatte. Doch hin und wieder nahm ich auch die käufliche Liebe in Anspruch, was ein paar Mal auch ein absoluter Hochgenuss war.
Zum BDSM kam ich Stückchen weise und herantastend vor etwa 16 Jahren (mit 22 oder 23). Ohne irgendwelche Bilder oder Filme vorher gesehen zu haben, verspürte ich das Verlangen etwas weiter zu gehen, als das monotone masturbieren. Ich experimentierte mit Nadeln und dann mit Reizstrom und wurde zum Masochisten. Dabei erfuhr ich plötzlich eine völlig intensivere Art der Befriedigung. Glücklicherweise ist damals immer alles Gut gegangen, obwohl ich durch mangelnde Anatomiekenntnisse so einiges riskiert habe. Im Grunde bin ich bei dieser intensiveren Art der Befriedigung geblieben, wenngleich ich heute über besseres Anatomiewissen verfüge und Risiken so besser ausgrenzen kann.
Doch nun suche ich wieder neue Erfahrungen. Deshalb begann ich seit etwa einem Jahr über das Internet gleich gesinnte weibliche Personen zu suchen, mit denen ich gemeinsam BDSM ausleben kann. Ich bin somit extrovertierter geworden. Ausserdem bin ich nicht mehr nur rein masochistisch, sondern nun auch sadistisch. Das bedeutet, dass ich nun auf der Suche nach einer Partnerin bin, die in Schmerzen in Verbindung mit Sex ihre Erfüllung findet. Ich würde auch sagen, dass ich eher dominant als submissiv bin. Des Weiteren habe ich begonnen seit etwa einem halben Jahr einen lokalen BDSM Stammtisch zu besuchen. Ausserdem ging ich zum CT 2005 (Community Treff) in Selm. Hierbei erhoffe ich mir allerdings nicht eine Partnerin zu finden. Es dient viel mehr dem Beisammensein, dem Plaudern, dem Erfahrungsaustausch und einem netten Beisammensein.
Doch nun zu den Begegnungen der besonderen Art. Wie begegnet man mir? Am besten können das natürlich die beantworten, die mich in Person gesehen haben. Ich kann nicht für deren Eindruck sprechen. Ich habe aber feine Antennen, die mir signalisieren, ob ich im Grossen und Ganzen akzeptiert werde oder nicht. Mein Eindruck sagt mir, dass bei den bisherigen BDSM Treffen die meisten mich akzeptiert haben, wobei es aber auch wenige gibt, die dies nicht können, es aber gekonnt verstecken. Die Mehrzahl nimmt mich jedoch so wie ich bin und kann mit mir gut umgehen.
Bei der käuflichen Liebe ist es so, dass sich die beiden Fraktionen die Waage halten. Die einen haben ein Problem mit mir, versuchen sich aber nichts anmerken zu lassen, und die anderen nehmen mich wie ich bin, und mit denen hatte ich logischerweise immer den grössten Spass.
Wie soll man mir aber begegnen, mich nehmen, sich mir gegenüber verhalten? Ich schätze möglichst ein normales Verhalten. So, als ob ich sonst jemand wäre, der nicht behindert ist. Das ist natürlich schwer. Ich habe dies selbst mit anderen behinderten Personen erlebt. Der erste Eindruck ist oft ein erster kleiner innerer Schock. Sobald man diese Person aber besser kennen lernt und sogar häufiger sieht, verschwinden die Berührungsängste vollkommen. Man beginnt nicht mehr die Behinderung an sich zu betrachten, sondern die Persönlichkeit. Ich stelle mir diesen Effekt bei Anderen, denen ich begegne ebenfalls so vor. Ich bin trotz der Behinderung nicht aus Porzellan, sondern in mancher Hinsicht eher zäh. Mein Wunsch ist es immer, dass die Anderen, sind sie im BDSM oder nicht, möglichst ihren ersten Schock (der leider nun mal kommt) überwinden und mich so nehmen und behandeln wie ein Nicht - Behinderter, auch wenn dies nicht einfach ist. Man muss natürlich immer herausfinden, was jemand anhand seiner Behinderung kann oder nicht kann und dies berücksichtigen. Wenn man zum Beispiel steife Knie hat, kann man aufgrund dieser Behinderung natürlich nicht hinknien.
Ich denke, dass es mit Behinderten in der Gesellschaft so ist, wie mit Schwarzen in einer "weissen Gesellschaft". Die meisten haben nichts gegen sie. Sie werden akzeptiert, wie jeder andere Mensch auch. Aber es gibt auch die andere Sorte von Menschen mit Vorurteilen und einem meist beschränktem geistigen Horizont. Diese Menschen mögen keinen, der anders ist als sie. Die einen zeigen es deutlich, die anderen eher subtil. Die meisten Menschen, die andere mit einer Behinderung nicht akzeptieren, zeigen dies meist nicht. Man merkt es auf die subtile Art.
Mein Eindruck ist, dass im BDSM doch viele Menschen generell etwas toleranter sind und somit keine Probleme mit Menschen mit einer Behinderung haben. Etwas anders sieht es da vermutlich aus, wenn es darum geht, mit einem Behinderten in engerem sexuellen Kontakt zu gehen. Da wird wohl doch noch die ein oder andere Hemmschwelle vorhanden sein. Aber das hat wohl auch mit dem allgemeinen Schönheitswahn zu tun. Jeder möchte etwas besseres haben.
Dennoch gibt es immer Menschen, die wirklich noch grösseren Wert auf die Persönlichkeit legen, als auf ein schönes Aussehen mit schlechter Persönlichkeit. Doch das Oberflächliche hat oft die Oberhand.
Ich hoffe hier nicht allzu tief in das Philosophische abgedriftet zu sein. Ich denke aber, dass Du in diesem Text viele Deiner Fragen beantwortet haben wirst. Alles oben beschriebene ist natürlich meine persönliche Ansicht. Jeder sieht die Dinge anders. Ich hoffe aber es hilft Dir weiter und Du kannst das hiesige verwerten.
LG
Copyright liegt Lustqual vor
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